Warum ist Streetwear so beliebt?

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Manche älteren Leute, ja sogar Gleichaltrige schütteln gelegentlich verständnislos den Kopf, wenn sie das Outfit mancher Jugendlichen oder auch einiger junger Erwachsener sehen. Sie fragen sich, was Menschen dazu bringt, beispielsweise Hosen zu tragen, die ihnen offensichtlich viel zu weit sind und ihnen ständig herunterrutschen. Unpraktisch ist das ja wohl allemal, und gut aussehen tut es auch nicht – oder ist das vielleicht doch nur Geschmacksache? Fehlt diesen jungen Leuten vielleicht einfach nur jedes modische Verständnis? Oder ist es womöglich genau umgekehrt, sind es die anderen, die nicht auf der Höhe der Zeit sind? Nun, Geschmacksache ist es natürlich allemal, aber das gilt ja für alles, womit Menschen sich kleiden. Und tatsächlich handelt es sich bei der sogenannten Streetwear – für die unter anderem eben die viel zu weiten Hosen, die „Baggy Pants“, typisch sind – um eine ganz normale Jugendmode. Die Motive, sie zu tragen, unterscheiden sich von denen früherer Zeiten ebenso wie die ablehnenden Reaktionen der Zeitgenossen. Man denke nur an die fünfziger Jahre, als junge Mädchen plötzlich in Röhrenjeans herumliefen, statt Röcke zu tragen – und sich mit den Jeans sogar noch in die Badewanne legten, weil das Wasser die Jeans dazu brachte, noch enger und damit figurbetonter zu werden. Man denke ferner an die Punks der 70er Jahre, die mit bunt gefärbten Haaren und Hundehalsbändern herumliefen. Das wesentliche Motiv für die Beliebtheit solcher Moden ist wohl immer, dass man sich als zugehöriger einer Gruppe fühlen möchte, dass man „in“ sein möchte. Und das geht eben nur über eine Kombination von Gemeinsamkeit und Anderssein: Durch Gemeinsamkeit zeigt man, dass man dazugehört, durch Abgrenzung gegen andere entsteht die Gruppe überhaupt erst. Und dieses Bedürfnis, dazuzugehören, wird natürlich von der Modeindustrie immer ausgenutzt, um Geld zu verdienen. Spätestens dann, wenn man in einem Geschäft Bezeichnungen wie „Streetwear for Men“ oder „Streetwear for women“ sieht, weiß man, dass aus dem spontanen Lebensgefühl einiger Weniger ein kommerzieller Trend geworden ist. Meist ist das auch der Zeitpunkt, an dem sich irgendwo, noch ganz im Verborgenen, schon der nächste Trend zu bilden beginnt.

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Autor:  -  Andreas Mettler
presse@mettlerweb.de